Bea geht "weltwärts"

Ein Jahr in Vietnam

Lieben und Leben in Vietnam

Geschrieben von Bea Aretz - 10. Oktober 2009

Der Ao Dai - die Traditionstracht der Vietnamesinnen

Sandra hat mich vor einigen Wochen auf die Idee gebracht, mal etwas mehr über die Beziehung zwischen Mann und Frau zu erzählen. Man kann sagen, dass hier in Nordvietnam sehr anders gelebt/geliebt wird. Jedoch kann man nicht alles über einen Kamm scheren, denn das Landleben unterscheidet sich doch sehr von dem in der Stadt. Auf dem Land wird alles sehr traditionell und konservativ gehalten. Der Mann hat das Sagen, die Frau hat dem Mann Folge zu leisten. Man sagt, die Frau in Vietnam habe in ihrem Leben drei Pflichten zu folgen: Ihrem Mann zu gehorchen, ihren Söhnen und ihrer Schwiegermutter. So muss die Frau neben der schweren Arbeit auf dem Feld (jeder packt hier an, von klein bis groß) gleichzeitig noch den Haushalt schmeißen und die Kinder groß ziehen. Meist leben mehrere Generationen unter einem Dach. Das Stadtleben ist lockerer. Viele der Studenten hier (unsere local volunteers sind nun mal meist Studenten) kommen aus den umliegenden Provinzen. Sie sind alleine hier hergezogen und leben in kleinen Zimmern oder Wohnungen überall verteilt in der Stadt.

Zuhause bei den Eltern wird viel Wert auf Gehorsamkeit und Fleiß gelegt. Gewalt in der Familie gehört zum Alltag und zur „guten“ Erziehung. Hier wird auffällig wenig in der Freizeit unternommen. Die meiste Zeit verbringen sie zuhause, in der Uni (lernen, lernen, lernen) oder mit arbeiten. Fernsehen ist ein RIESEN Ding hier. Jeder hat einen Fernseher, auch die ärmeren Leute.

Eine Gruppe von Frauen mit dem Ao Dai (Ao Sai gesprochen)

Es gibt hier in Hanoi zwar einige Clubs und Millionen andere Aktivitäten, aber das ist größtenteils für die Westler. Die Tanzschule, die ich mir hier letzte Woche angeguckt habe zum Beispiel kann gut mit deutschen Preisen mithalten und auch die Mitarbeiter und Kunden bestehen fast zu 100% aus Westlern. Auch viele Supermärkte haben ihre Produktreihen auf uns Westler abgestimmt, es gibt viel mehr Deutsche und Europäer hier, als man glaubt. Naja, einen asiatischen Touch haben die Kosmetikprodukte ect. dann doch immer. Zum Beispiel sind alle Körper- und Gesichtscremes, die hier verkauft werden mit „whitening effect“- ja genauso, wie bei unseren Zahnpastas =) Während es bei uns ein Schönheitsideal ist eine gebräunte Haut zu haben, ist es hier üblich mit allen Mitteln gegen die Sonne und den natürlichen Teint anzukämpfen. Mit Bleichcremes, mit Hüten, langen Hosen und lichtundurchlässigen Blusen, die man bis über die Nase zieht und gleichzeitig mit einem Gummiband auf den Handflächen festmacht, sodass bloß kein Sonnenstahl auf die Haut trifft. Die Blusen sieht man meist aber nur auf Rollern, ansonsten würde es glaube ich sogar den Vietnamesen zu heiß.

Wer noch immer denkt, dass Vietnam ein vom Krieg zerstörtes Land mit unzivilisierten Höhlenbewohnern ist, der sollte von meinem Blog nun des Besseren belehrt werden. Vietnam ist ein wirtschaftlich immer besser florierendes Land mit viel Export. Alle jungen Vietnamesen, die ich bisher kennengelernt habe, studieren Economics oder Accouting (also Buchhaltung bzw Bankwesen). Sie sehen die Möglichkeiten in ihrer Zukunft und nutzen sie. Außerdem halte ich hohe Stücke auf das Geschick und die praktischen Fähigkeiten der Menschen hier. Man weiß aus den kleinsten Möglichkeiten, aus dem wenigen, was man hat, großes zu erreichen. Es herrscht bei allem, was hier passiert, ein riiiiesen Chaos. Da brechen wir ordnungsliebenden Deutschen jedes Mal wieder drunter zusammen und schütteln verzweifelt den Kopf – aber am Ende klappt doch alles immer so, wie es soll. Eine höchst bemerkenswerte Leistung sind z.B. die ständig voll- und überbepackten Roller und Fahrräder, mit denen die Vietnamesen ihre Ware durch die Stadt transportieren. Ich bereue es jedes mal wieder, nicht in dem Moment, wenn sie an mir vorbeifahren, die Camera bereit zu haben und ein Foto für euch zu knipsen. Es ist einfach unglaublich.

Jetzt bin ich aber doch ganz schön vom Liebesleben der Vietnamesen abgekommen =) Aber soviel kann ich dazu leider auch nicht sagen. Wir Freiwilligen hier haben das Glück zum einen durch unsere Organisation andere Vietnamesen kennenzulernen, die mit uns Freundschaften aufbauen wollen, uns Land und Leute zeigen wollen und einfach ohne Hintergedanken freundlich sind. Diese Erfahrung wird immer seltener, je älter man als westlicher Ankömmling hier ist. Als ich mich in den letzten Wochen öfters mit Deutschen unterhalten habe, die sich hier beruflich für längere Zeit aufhalten, wurde mir immer wieder klar gemacht, wie viel Glück wir mit unserer Position und den netten Leuten hier haben. „Weiße“ Männer werden von vietnamesischen Männern oft ignoriert, aus Scheu und aus Angst, wogegen die vietnamesischen Frauen sich oft sehr anhänglich und auf der Suche nach „mehr“ zeigen. Denn es herrscht hier einfach das Bild Westler = viel Geld (was in Relation zum Leben und Einkommen hier ja auch vollkommen stimmt). Frauen dagegen werden eher weniger angesprochen, man wird auch nur sehr selten bis nie unangenehm angesprochen oder belästigt. Dafür aber auch oft aus Gesprächen oder Treffen ausgeschlossen. Als Frau kann man sich überall bedenkenlos aufhalten, auch nachts (Vietnamesen denken darüber anders und haben nachts hier ständig – besonders nachts – riesige Angst). Die Sicherheit liegt auch viel an den strengen Gesetzen der kommunistischen Regierung. Soweit ich weiß steht z.B. die Todesstrafe auf Kindesmisshandlung.

Jetzt bin ich schon wieder vom Thema abgekommen… Liebesbeziehungen unter Vietnamesen: Ich dachte ja durch meine „Recherchen“ schon bevor ich hier hin kam viel über das „Lieben“ in Vietnam erfahren zu können („Kulturschock Vietnam“ – gutes und sehr hilfreiches Buch über das Leben und die Kultur in Vietnam), jedoch bemerke ich jetzt immer wieder, dass es doch gar nicht so konservativ abläuft, wie gedacht. Zwar sind die Zeit in der man sich kennengelernt, sich näher kommt und es irgendwann küsst, zusammenkommt, heiratet etc. sehr lange und sehr genau gegliedert, aber es gibt auch viele Ausnahmen. Wenn möglich wohnt die Frau bis zu ihrer Hochzeit im Elternhaus und zieht danach mit dem Ehemann zu seinen Eltern oder in eine Wohnung zusammen. Viele der Vietnamesen hier wohnen jedoch weit weg von ihren Eltern hier in Hanoi um zur Uni zu gehen. Somit leben sie viel freier. Eine andere Sache ist, dass gesagt wird, dass es verpönt ist, wenn Frauen und Männer in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen. Jedoch habe ich schon einige Pärchen Händchen haltend gesehen oder sich einen Kuss gebend. Besonders an den typischen Treffpunkten, wo die Pärchen Zeit in Zweisamkeit verbringen, wie z.B. der Hoan-Kiem-See, der Westlake oder der Botanische Garten. Dort sitzen die Pärchen an jeder Ecke, auf jeder Bank und kuscheln, küssen oder halten Händchen. Genau diese Plätze werden auch gerne als Szenerie für Hochzeitsfotos genutzt. Denn die Hochzeit ist eine riesen, riesen Sache hier. Besonders die Fotos. An jeder Straße sieht man einen Brautladen oder das Atelier eines Hochzeitsfotografen, fast jeden Tag sieht man an irgendeinem Ort angestrengte Paare im Hochzeitsoutfit tausende gestellte Fotos machen. Perfekte Hochzeitsfotos sind ein Muss, genau wie die großen Feiern. Eine in der Heimat des Bräutigams und eine in der Heimat der Braut. Dabei wird jeweils ein riesigen Buffet aufgebaut und es wird den ganzen Tag gegessen, getanzt und gesungen. Viele Vietnamesen heiraten in weiß, nur noch wenige heiraten im traditionellen vietnamesischen Gewand: dem Ao Dai. Meist gibt es sogar eine Hochzeitszeremonie mit Priester (jedoch ohne Kirche) – Bis es zu diesem Ereignis kommt, braucht es aber viel Zeit, Geduld und Schüchternheit zu überwinden. Noch viel mehr als bei uns. Ich habe bisher einige wenige Westler mit vietnamesischen Frauen kennengelernt, aber noch keine Frau mit einem vietnamesischen Mann.

Das wars erstmal fürs erste. Nächstes Mal gibts mehr.

Eure Bea

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6 Antworten zu “Lieben und Leben in Vietnam”

  1. lang renate sagte

    ich bewunder dich.hast so viel mut so weit weg von deine heimat.aber wenn deine arbeit macht dir spass,dann macht nur so weiter

  2. Stefan Zagler sagte

    Ich kenne Vietnam nur vom vorbeifahren. Kann man das so nennen, ich glaube ja. Ich möchte aber darauf jetzt nicht weiter eingehen. Dein Bericht ist nichts neues für mich und in den Gesprächen mit meinen vietnamesischen Freunden hier in P und L habe ich so einiges mitbekommen. Ja das mit der Todesstrafe stimmt, aber nicht nur Kindesmißhandlung wird bestraft, auch Drogenhandel, Mord und Vergewaltigung. Mich interessiert aber etwas anderes. Ich habe vor geraumer Zeit einen Bericht über Hilfe von Flutopfern in Vietnam verfolgt und ich war geschockt darüber, wie sich Helfer herausnehmen können, die Spenden für die von der Flut betroffenen Menschen für private zwecke zu mißbrauchen. Statt das Geld für Baumaterial und in neue Häuser zu investieren und durch einen sehr guten Freund, der dort seine Eltern besucht haben sich meine schlimmsten Erwartungen bestätigt. Es wurde nichts getan, als weiterhin um Spenden zu bitten. Gegen Betrüger sollten die vietnamesischen Behörden rigoros vorgehen.

    • Bea Aretz sagte

      Schön, dass du auch nach langer Abwesenheit von mir dennoch den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Zu deinem Kommentar der Spendengelder bezüglich kann ich nur aus eigenen Erfahrungen sagen, dass du vollkommen Recht hast. Aber es sind nicht nur die Helfer, die sich “ihren” Teil der Gelder einstecken. Die vietnamesische Regierung, besonders Polizei, profitiert auch sehr gut von ihnen. In der Organisation, in der ich gearbeitet habe, ging inoffiziel, aber bekannterweise, sehr weit über die Hälfte vom monatlichen Profit (Spendengelder, Beiträge der internationalen Freiwilligen) an Regierung, Schmiergelder für Polizei und nicht zuletzt die Führungsebene der Organisation selber. Das wusste jeder, es war sozusagen öffentlich. Als ich damals in Vietnam war, habe ich darüber geflucht und es auf die kommunistische Haltung und viele andere Dinge geschoben. Heute weiß ich, dass es in unserer Welt doch genauso läuft, auch in unserem hochgelobten, demokratischen Deutschland. Nur hinter vorgehaltener Hand, und nicht wie dort mit einer dreisten Offensichtlichkeit. Aber macht es das besser?

      • Zahnd sagte

        Ich habe das selbst erlebt. Allerding nicht mit Spendengelder. Die Polizei “frisst” bei jeder erdenkichen Gelegenheit Geld. Fahren in falscher Richtung kann mit ein paar hunderttausend Dong aus dem Weg geräumt werden. Die Einfuhr von 30 älteren und Reparierten, voll Funktionsfähigen Nähmaschinen wäre möglich gewesen bei einem zusätzlichen Betrag von sFr. 1’000.– unter dem Tisch.
        Einen Unterschied zwischen der vietnamesischen Regierung und einer Westlichen Regierung gibt es nicht. Die einen stehlen unter dem Tisch und die anderen auf dem Tisch. Ich bin jetzt fast vierzieg Jahre mit einer vietnamesin verheiratet und habe das X-Mal erlebt

  3. geisser sagte

    Vietnam
    Wir suchen eine Reisebegleitung in Vietnam die uns im Dezember auf einer Einkaufsreise durch Vietnam begleiten kann.
    Wir sind eine Handelsfirma in der Schweiz und möchten neu einen Teil unserer Produkte in Vietnam einkaufen.
    Sie können auch unser Partner werden der für uns die Einkäufe und die Exportabwicklung organisiert.
    Wir suchen vor allem Bambus und Naturprodukte, so wie sind wir grundsätzlich an allen Produkten die in der Schweiz verkäuflich sind interessiert.
    Bitte melden sie sich unter urs.geisser@glovital.ch

  4. Jörg sagte

    Bea ich begrüße deine Entschlossene Offenheit. Ich möchte diesbezüglich noch etwas weiter gehen. Ich emfinde es als absoluten Hohn , Das sich die deutsche Regierung es anmaßt Mitarbeiter zur Bekämpfung der Koruption entsendet und im eigenen Land selbst einen hohen Bestand an Koruption aufweisst . Aber das kann hier in Vietnam nur durch das eigene Volk bekämpft werden. Solange sich die Bürger nicht darüber einig sind gemeinsam dagegen etwas zu tun wird sich nichts ändern. Weiterhin verhält es sich unteranderem auch so weil die Vietnamesen seit je her immer in der unterdrückten Rolle war und ihnen immer alles vorgeschrieben wurde und sie dadurch ein Eigenverhalten entwickelt haben was sich zum Teil immer negativ auswirkt . Wenn sie dann die Erkentnis gesammelt haben das ihr Verhalten nicht gut war ist es meistens zu spät. Aber diese Erfahrungen müssen sie sammeln und auch wir , dasss man niemanden zu etwas überreden soll . Es ist immer schade um die Zeit. Ich bin oft hier und zur Zeit wieder denn ich habe viele vietnamesische Freunde und daher auch in der sehr glücklichen Lage Dinge gezeigt zu bekommen die Normaltourist nicht sieht.

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